close
Interview mit Michael Udry – Gründer von www.Frisches.ch

Interview mit Michael Udry – Gründer von www.Frisches.ch

Hallo Michael, wer bist Du und was hat dich dazu bewogen den OnlineShop www.frisches.ch aufzubauen?

Ich war 15 Jahre selbstständiger Unternehmer zweier IT-Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern. Im Jahr 2015 habe ich mich entschieden die Unternehmen abzugeben, um mich mehr um mein Herzensprojekt frisches.ch zu kümmern und mich neuen spannenden Herausforderungen zu stellen.

Die Idee kam, als ich erstmals Lebensmittel direkt vom Bauernhof probierte. Ich war überrascht von der Frische und dem hervorragenden Geschmack dieser Produkte im Vergleich zu Lebensmitteln bei den Grossisten. Als infolge Preisdrucks immer mehr Bauernbetriebe in der Nachbarschaft eingestellt wurden, wollte ich etwas unternehmen, statt nur „die Faust im Sack“ zu machen. Nach intensiven Marktabklärungen wurde im Jahr 2014 frisches.ch geboren. Ich bin halt ein Macher und suche die Herausforderungen.

Wir sind frisches.ch, eine Non-Profit-Organisation mit dem Ziel, Bauern und Produzenten einen zusätzlichen Absatzkanal zu fairen Preisen zu ermöglichen, sowie den Kunden, zum Beispiel «Stadtmenschen», marktfrische und regionale Produkte einfach zugänglich zu machen und persönlich auszuliefern. Unser Team besteht aus zwei Festangestellten und drei ehrenamtlichen Mitarbeitern, die alle mit vollem Engagement und Herzen für die Sache einstehen. Jeder von uns ist ein wahrer Allrounder und erledigt Arbeiten von A wie Administration, Abholung und Auslieferung bis Z wie Zahlungskontrollen.

Es gibt viele verschiedene Anbieter von Bio-Produkten, die ihre Ware online verkaufen. Was ist bei euch anders/ besser/ innovativer?

Unser Online-Shop frisches.ch bietet frische Produkte vom Bauernhof an, welche am Morgen noch beim Bauern waren. Wir liefern schnell und persönlich am gleichen Tag nach Hause oder ins Büro. Die Produkte stammen von Bauern und Lieferanten aus der Region Bern und dem Seeland. Unser Einzigartigkeit ist, dass wir das komplette Sortiment an regionalen Produkten anbieten. Neben frischem Gemüse und Früchten auch Fleisch, Teigwaren, Brot sowie weitere, teils auch saisonale Produkte. Eine hohe Qualität aller Produkte ist bei uns selbstverständlich! Wir bauen unser Sortiment ständig aus und passen die Struktur den Bedürfnissen der Kunden und neuen Innovationen an. Wir sprudeln nur so vor neuen Ideen.

Wird das Angebot auch von Vegetariern und Veganern wahrgenommen auch wenn ihr gleichzeitig Fleisch und Milchprodukte anbietet?
Ja, wir bieten ein komplettes Sortiment an. Viele unsere Kunden haben eine Gemüse/ Fürchte Abo. Wir haben kein Problem damit, unser Ziel ist es regionale Bauern (Produzenten) zu unterstützten und Ihre Produkte zu vermarkten. Unsere Kunden haben die freie Wahl und können nach Ihrem Geschmack frei wählen.

Was ist das Schwierigste um sich in diesem hart umkämpften Markt zu etablieren?

Die Herausforderung liegt in zwei Hauptthemen.

  • Regionalität und Preis: Wir hören von unseren Kunden zum Teil, dass die Abos (vor allem BIO) teurer sind als bei Migros und Coop. Ich rechne vielfach die Preise der Mitbewerber nach. Mit regionalen Produkten komme ich plus minus ein Franken auf den gleichen Preis.
  • Die richtige Balance zu finden. Wir haben viele Ideen und den Willen die regionalen Bauern (Produzenten) zu unterstützten. Die Aufwände sind enorm und somit steigen auch die Kosten, welche zum grossen Teil von mir privat bezahlt werden. Ein gutes Beispiel „Frisches im Hauptsitz“ ein Event-Märit, bei dem wir aktiv informieren und einen Bezug zur Regionalität aufzeigen. Aus meiner Sicht ist es ein wichtiges Event, aber die Kosten zu decken ist schwierig einerseits wollen wir die Produzenten nicht „Schröpfen“ anderseits haben wir Grundkosten die wir decken müssen.

Welches sind deine absoluten Lieblings-Produkte?
Das ist schwierig. Habe so viel was ich schätze, vor allem das frische und lang haltbare Gemüse finde ich super. Aber auch die BIO Pesto, sind echt der Hammer! Da sind noch die Jogurts von Noflen. Ach wenn ich mal anfange, kann ich fast nicht mehr aufhören.

Welche Abos laufen bei euch am besten?
Die Abos mit Früchten und Gemüse sind bei uns der Renner. Milch Produkte holen aber langsam auf.

Habt ihr die Absicht die CO2-Produktion für die Auslieferung der Produkte zu neutralisieren?
War schon länger unser Wunsch. Die aktuelle Marge lässt das nicht zu, einzig wenn der Konsument die Kosten der Lieferung vollständig übernimmt.


Ihr habt als Logo ebenfalls einen Baum gewählt, wie ist es dazu gekommen? Was bedeutet das für eure Unternehmensphilosophie?

www.frisches.chUnser Apfelbaum ist Symbol der Fruchtbarkeit, des Gedeihens und des Wachstums. Bereits die Römer pflegten den Brauch, bei der Geburt eines “Kindes” ein Baum zu pflanzen. Frisches.ch ist unser Kind und Projekt. Wir wollen die regionale Produkte unter die Berner Leute bringen. Dieser Baum soll im Frühling immer blühen mit neuen Event’s und Ideen, damit die Wurzeln sich verankern können, damit die alten und reine Sorten von Obst, Gemüse nicht verloren gehen sondern wieder belebt werden. Die Leute sollten wissen woher ihr, Gemüse, Obst, Fleisch, Brot, Milch etc. kommt. Die Identifikation mit dem Essen und Kultur ist uns ein besonderes Anliegen und wir hoffen noch viele Leute damit begeistern zu können.

 

Apropos Baum: Kennst du www.newTree.org ? was hältst du davon? Wäre dies eine Möglichkeit für euch CO2 zu kompensieren?
Bis heute kannte ich es nicht. Ist ein super Projekt welches effektiv hilft. Ich finde es sehr gut, man muss was tun um etwas zu verändern. Das war auch der Grund Frisches ins Leben zu rufen. Klar, wäre das auch was für uns. Aktuell haben wir die Priorität, Frisches selbsttragend zu machen und später unsere Bauern mehr zu unterstützen.

Wenn die Leute alle online einkaufen, werden viele Geschäfte schliessen müssen. Wie siehst Du diese Problematik?

Ich denke nicht das viele schliessen müssen. Das Bedürfnis „vor Ort“ einzukaufen wir immer eine Bestandteil unsere Gesellschaft sein. Der Verkauf wird bereiter werden und Online ist einfach ein zusätzlicher Absatzkanal. Das „Lädeli“ -Sterben hat auch einen weiteren Hintergrund: Sie Grossisten, die immer mehr in Segment der „Kleinen“ eindringen. Schlussendlich entscheidet der Konsument, mit seinem Einkauf, was kommen wird. Ich sehe die Chance gut einen Laden zu führen, aber der muss sich klar von „Grossisten“ abgrenzen.

Das saisonale Angebot ist in der Schweiz gerade im Winter sehr eingeschränkt. Kannst du deinen Kunden gute Alternativen bieten?
Noch letztes Jahr haben wir nur lokale Produkte angeboten. Da haben wir verschieden Rückmeldungen von unsere Kunden erhalten, welche die Auswahl als „langweilig“ bezeichnet haben. In der Schweiz ist es so, dass im Winter nicht viel Auswahl vorhanden ist. Daher haben wir das Angebot Plus ergänzt bei dem wir Produkte ausserhalb der Region oder dem Ausland liefern. Wichtig ist, dass unsere lokalen Bauern zuerst berücksichtigt werden. Deshalb ist ca. max. ein viertel der Produkte ausserhalb der Region.

Je nach Lagerung (z.B. in einem Kühlhaus) sind gewisse Produkte überhaupt nicht ökologisch. Was macht ihr, dass frisches.ch immer frisch bleibt und ökologischer wird?
Wir haben nur ein Durchgangslager, wir holen die Produkte am Morgen ab und liefern diese am selben Tag aus. Kühlhäuser haben wir daher nicht. Neben dem ökologischen Aspekt ist für uns auch der Grundsatz “Frisches” sehr wichtig. Darum haben wir uns für den Weg entschieden.

Wie lange gibt es Frisches.ch schon und wie wird sich der Webshop weiterentwickeln? (Neue Produkte / Dienstleistungen?)
Die Gründung war im Jahr 2014 und das Angebot bauen wir ständig neu aus mit Produkten von unseren Bauern / Produzenten.

Wo siehst Du euch in 5 Jahren?

Wir haben noch viele Ideen, welche wir umsetzen möchten. Wir möchten unseren Berner Kunden die regionalen Produkte noch vermehrt schmackhaft machen und versuchen die Kundenwünsche umzusetzen. Weiter wollen wir uns mit Themen wie Food Waste, Herkunft der Produkte, BIO etc. auseinandersetzen und informieren. Wir werden auf unserer Facebook-Seite einen Wettbewerb starten, bei dem sich die Kunden austauschen können. Den eingeschlagenen Weg wollen wir weiterführen und unser Sortiment mit leckeren Lebensmitteln ausbauen. Es bleibt spannend bei uns. Mit voller Motivation packen wir es an und freuen uns auf die Zukunft!

Besten Dank für das Interview und bäumiges Wachstum.

OpenMic in Bern

http://www.eyes-open.org/

Wie verbessert man die Welt?

Leave a Reply