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Interview mit Sandra Grimmer -Seefeld.Style

Interview mit Sandra Grimmer -Seefeld.Style

Sandra Grimmer

1. Wer ist Seefeld.Style und was macht ihr genau?

Hi, wir sind ein junges Zürcher Label für Frauenhosen.

  • Gegründet von der Betriebswirtschafterin Sandra Grimmer und dem Ingenieur Roland Grimmer. Als Quereinsteiger in der Modebranche fordern wir den Status Quo der Fashion Industrie heraus. Wir haben die erste re-zirkulierbare Zero-Waste Hose der Schweiz entwickelt. Stoff, Faden, Farbe, Knöpfe und Etiketten sind speziell ausgewählt um nicht nur lange zu halten, sondern am Ende wieder sortenrein in ihre Bestandteile zerlegt werden zu können. Damit wird aus getragenen Hosen und auch den Schnittabfälle aus der Produktion wieder hochwertiges Garn für neue Kleidung. Wir werfen nichts weg! – Zero-Waste eben.
  • Mit unserer “Yarn-to-Yarn” Initiative möchten wir unseren Ansatz der Kreislauf-Textilien und unsere Erfahrung damit mit Kunden, Partnern und interessierten Modeherstellern teilen und ihnen zugänglich machen. 
  • Gleichzeitig unterstützen wir mit Yarn-to-Yarn die Entwicklung einer biologischen, auf Enzymen basierten Technologie um aus Alttextilien wieder hochwertiges Garn zu gewinnen. Dazu arbeiten wir mit Biochemikern der UPB und der ZHAW zusammen.

2. Wie seid ihr auf die Idee gekommen die Circular Economy umzusetzen und es tatsächlich in Angriff zu nehmen?

  • Sandra Grimmer
  • Angefangen haben wir mit der Hose fürs Leben. Einer Hose die chic aussieht, alles mitmacht und herrlich komfortabel ist. Aber die Welt braucht nicht noch ein Produkt, dass dann irgendwann verbrannt wird oder auf die Halde kommt. Wir haben uns gefragt, wie wir Hosen machen können, die die gewünschten Eigenschaften haben und gleichzeitig richtig nachhaltig sind. Die Herausforderung dabei ist, dass wir für die Performance und den Komfort nicht aufs Elasthan verzichten können. Der Ausgangspunkt war unsere Überzeugung, dass die Kreislaufwirtschaft die einzig wahre Antwort ist – und zwar für alle Materialien.
  • In der Natur geht nie je irgend etwas verloren. Und wenn wir unsere Rohstoffe – v.a. die synthetischen – nicht ständig fortschmeissen oder verbrennen würden, hätten wir schon lange genug davon und müssten nicht immer mehr davon machen. Also war es logisch, dass wir unsere Hosen resp. die Rohstoffe darin nicht verlieren dürfen. Zero-Waste heisst unser Ansatz und bedeutet, dass jede Hose, jeder Abschnitt und jedes Fusselchen wertvoll sind und am Ende wieder eingesammelt werden müssen. Die Schwierigkeit danach ist “nur”, die Rohstoffe wieder sortenrein heraus zu bekommen.
  • Ein befreundeter Wissenschaftler und UN-Nachhaltigkeits-Advisor hat uns bestätigt, dass es möglich ist, unsere Hosen komplett zirkulär herzustellen. Gemeinsam haben wir dann die Yarn-to-Yarn Initiative ins Leben gerufen um das biologische Textilrecycling aus dem Labor in in die Wirtschaft zu holen.

3. Auf eurer Webseite steht, dass es Lieferengpässe gibt. Wie werdet ihr dieses Problem lösen? Findet man überhaupt qualifizierte Schneiderinnen in eurer Region oder werdet ihr dezentral produzieren? 

Lieferengpässe haben wir zum Glück überwunden

  • Die Lieferengpässe haben wir zum Glück überwunden, die meisten Produkte sind wieder an Lager. Ende 2020 haben wir unsere Produktion in die Schweiz geholt und das war dann doch ein grösserer Kraftakt bis alles da war und alle Abläufe eingespielt waren. Und auch bis wir genau wussten, wieviel Aufwand in jeder einzelnen Hose steckt. Gleichzeitig wurden wir von der Nachfrage überrannt und hatten/haben alle Hände voll zu tun. 
  • Die Textilindustrie in der Schweiz ist wirklich nicht mehr sehr gross und es gibt nur noch eine handvoll Betriebe, die über das nötige Wissen verfügen um unsere hochflexiblen Nähte zu nähen. Im Winter sind wir also kreuz und quer durch die ganze Schweiz gefahren um den richtigen Nähbetrieb für unsere Hosen zu finden. Im St. Galler Rheintal wurden wir dann fündig. Ein familiär geführter Betrieb. Sie Modedesignerin, er Textilchemiker. Perfekte Voraussetzungen für unsere hohen Ansprüche an die Verarbeitung und die Zero-Waste Produktion.
  • Gleichzeitig mussten wir uns natürlich auch noch um neue Stoffe, Fäden, Etiketten, Knöpfe usw. kümmern. Jeder Hersteller wurde von uns hand-verlesen und gehört zu den Besten seiner Branche. Dabei ist uns aufgefallen, dass es die kleinen und mittleren Betriebe sind, die mit Qualität punkten. Die Arbeit mit diesen hochqualifizierten Spezialist*innen macht echt Spass!
  • Und wir sind glücklich, wunderschöne Hosen produzieren zu können und dabei kleine Betriebe und feines Handwerk zu unterstützen.

4. Was ist mit Produkten für Männer und Kinder? 

  • Diese Frage bekommen wir immer wieder (speziell von Männern). Und wir würden das auch sehr gerne in Angriff nehmen. Noch sind wir aber ein kleines Team und haben alle Hände voll zu tun. Es wird also noch ein kleines Weilchen dauern, aber wir bleiben dran.  

5. rotauf.ch verfolgt ähnliche Ziele wie Ihr. Möchtet Ihr Euch nicht einfach zusammenschliessen und Synergieen nutzen?

  • Ja, Rotauf ist wie wir auch einer der ganz wenigen Anbieter, die konsequent in der Schweiz produzieren. Ich hoffe, dass es in Zukunft noch mehr Labels gibt, die unserem Beispiel folgen. Ein Zusammenschluss fände ich aus Kundensicht eher schade. Unsere Sortimente decken unterschiedliche Kundenbedürfnisse ab. Rotauf setzt auf chemikalienfreie Outdoorbekleidung, wir machen chice Hosen, die alles mitmachen, was einem das kunterbunte Frauenleben so bietet. Was wir allerdings sehr schätzen ist der Austausch mit anderen Labels, die sich für mehr Nachhaltigkeit in der Mode einsetzen.

    Unsere “Yarn-to-Yarn” Initiative wird als Plattform dienen wo wir uns mit Kunden und verschiedenen Mode-Herstellern darüber austauschen, wie wir die Textil-Branche in eine zirkuläre Kreislaufwirtschaft verwandeln können. 

6. Was hat es mit dem Logo auf sich? Ein Einhorn? Wieso?

  • Das Einhorn war Sandras Idee. Es ist mutig, stark und das Symbol für Einzigartigkeit und Authentizität. Der Ehrlichkeit zu sich selber. Und damit steht es für die Werte welche wir mit Seefeld.Style versuchen zu erfüllen. Klingt jetzt ziemlich pathetisch, aber wir glauben, dass wir, als Menschheit, nur vorwärts kommen werden wenn wir das Beste in uns hervorholen. Man muss halt nach den Sterne zielen, wenn man bis zum Himmel kommen will.;)      

7. Wie sieht die Zukunft von Seefeld.Style aus? Wo seht ihr euch in 10 Jahren?

  • In 10 Jahren werden wir weiterhin Zero Waste Hosen fürs Leben machen. Vielleicht haben wir dann sogar eine komplette Kollektion an tollen Basics, so dass sich Frau, Mann und Kind von Kopf bis Fuss nach Zero Waste kleiden kann. Vielleicht machen wir das auch nicht alles selber, sondern in Kooperation mit anderen coolen Labels, die wie wir Kleidung nach Yarn-to-Yarn produzieren und wieder zurück nehmen, damit daraus wieder Garn für Neues entsteht. Die Yarn-to-Yarn Technologie wird bis dahin etabliert sein und in der Modeindustrie wird – ähnlich wie beim Guetzli backen – klar sein, dass auch die Schnittabfälle nicht in den Müll gehören. Als Gesellschaft werden wir in 10 Jahren ein hoffentlich neues Verständnis für Nachhaltigkeit haben. Eines das weit über die Herkunft und Herstellung des Produkts hinausgeht. Eine Nachhaltigkeit bei der Hersteller Verantwortung übernehmen für ihre Produkte, die Lieferketten und auch für ihre Abfälle. So schaffen wir es weg von Fast Fashion, Sklavenarbeit, Überproduktion, Abfallhalden, CO2, Mikroplastik und Schwermetallen und hin zu bewusstem Konsum, der nachhaltig Freude bereitet.

Besten Dank für das Interview

Ist es nicht schön wenn man zur Abwechslung so hoffnungsvolle Interviews lesen kann? Da fragt man sich wieso es Leute gibt, die noch immer bei Zalando und anderen Fast-Fashion-Labels bestellen. Hier geht es zur Umfrage ob Zalando wirklich CO2-Neutral ist...

Das sagen Testerinnen zu den Hosen…

Ballettänzerin testet Hosen von seefeld.style 

two fern leaves stepped by a person

Fast Fashion & Greenwashing

Wir sind die Alten!